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AKTUALITÄT

AKTUALITÄT

In der Schweiz wird viel über die misslingende Integration und über die „Ausländer_innen“ gesprochen. Der Beitrag der Einheimischen an eine gelungene Integration ist zwar im Gesetz erwähnt, aber er bleibt unkonkret. Ebenfalls gibt es kaum eine Auseinandersetzung darüber, was Schweizer Identitäten überhaupt ausmacht und wie sich dies in Zeiten der Globalisierung und mit der Schweiz als privilegiertem Einwanderungsland ändert.

Während es Migrant_innen in vielen Ländern durch Bindestrich-Identitäten (z.B. „Afro-Amerikaner_in“) ermöglicht wird, sich als Teil der neuen Heimat zu fühlen, ohne die alte ganz loszulassen, herrscht in der Schweiz ein Bild vor, dass  man entweder Schweizer_in ist – oder nicht. Was genau diese Schweizer Identität ausmacht, ist jedoch vage und abstrakt. Die Einheimischen bleiben unsichtbar. Dafür stehen die Migrant_innen umso stärker im (kritischen) Rampenlicht der Öffentlichkeit. Nur sie sind sichtbar.

Lange Zeit wurde eine positive, patriotische Sichtweise auf die Schweizer Identität von der politischen Rechten vereinnahmt, was im Gegenzug eine positive Identifikation mit der Schweiz auf Seiten der Linken erschwerte und zu einem fehlenden, gesunden Stolz (positives Selbstwertgefühl im Bezug auf Identität im Sinne von NCBI) führte. Gleichzeitig entwickelte sich in den letzten Jahren unter dem Trendbegriff der „Swissness“ ein hippes Gegenkonzept dazu, das sich scheinbar positiv auf die Schweiz bezieht. Es stellt sich aber die Frage, inwiefern sich Swissness als Brand effektiv als positive Identifikation mit einer Schweizer Kultur und Identität eignet und inwiefern es nur ein Marketing-Schlagwort für Uhren, Folklore usw. bleibt. Aber auch der rechtsnationalistische Patriotismus eignet sich in seiner Blindheit gegenüber einer kritischen Betrachtung und Aufarbeitung der Geschichte und Gegenwart der Schweiz nicht als realitätsnahes Konzept für eine ehrliche, differenzierte und positive Identifikation mit der Schweiz.

Wenn man also danach fragt, wie eine reflektierte, aufgeklärte und nichtsdestotrotz positive Schweizer Identität aussehen soll, gibt es bisher wenig überzeugende Antworten. Dazu kommt, dass die Frage, was „schweizerisch“ resp. „nicht schweizerisch“ ist und was es bedeutet, Schweizer_in zu sein oder zu werden, in der von rechts geführten Debatte einen zentralen Platz einnimmt: Oft schwingt mit, dass Migrant_innen aus gewissen Regionen von einigen Einheimischen nie als „echte Schweizer_innen“ anerkannt werden – egal, wie integriert sie sind.

Das Projekt „iCH“ ermöglicht einen spannenden, lustvollen und bereichernden Austausch über Schweizer Identitäten. Dieser macht uns allen, die wir in der Schweiz leben, besser bewusst, wer wir sind und was uns zusammenhält.